Antisemitismus und Nationalsozialismus

Die dunkelsten Jahre des Alpenvereins

1924 wurde die Sektion Donauland, die vornehmlich jüdische Mitglieder hatte, vom damaligen Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV) ausgeschlossen. Mit dieser Entscheidung begannen die dunkelsten Jahre des Alpenvereins, er "übernahm damit weit vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten eine Vorreiterrolle in der Ausgrenzung der Juden."1

Der DAV Donauwörth, DAV und OeAV bedauern diese "bedrückenden Geschehnisse"1, die Aufarbeitung ist wichtig, da mit Sorge zu beobachten ist, dass angesichts gesellschaftlicher und sozialer Herausforderungen der Tonfall härter wird.12

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Überschriebener Eintrag von Richard Hönigsberger in das Hüttenbuch der Hanselberghütte der Sektion Regensburg, 26. Mai 1935: Königsberger überlebte als Halbjude den Holocaust in Regensburg.
Ob er Mitglied der Sektion Regensburg war, die 1934 einen Arierparagraphen in ihre Satzung einführte, ist nicht bekannt. Foto: DAV/Archiv

Antisemitismus ab 1888 und nach dem 1. Weltkrieg

Zeit des Umbruchs macht anfällig

Politisch gab es im Wahlkampf 1888 antisemitische Äußerungen. Der Politiker und Vorsitzende der Sektion Breslau, Karl von Stengel trat zurück, da zu dem "der Politik ganz fernstehenden Verein"4.1 Antisemitismus nicht passte. Der Verein verlor in dem Jahr 30% der Mitglieder (davon waren 20% jüdisch).4.2; 4, sinngemäß, S. 226 f.

Im Gegensatz zu den Turnvereinen tauchte bei den Alpenvereinen Judenfeindlichkeit lediglich vereinzelt auf. Bei den Turnvereinen wurde über den sogenannten Arierparagraf heftig gestritten, Neugründungen von Gegenvereinen und Dachverbänden waren die Folge. Einige AV-Sektionen haben einen ähnlichen Paragrafen in die Satzungen aufgenommen, darunter waren auch Sektionen, die bis dato keine jüdischen Mitglieder hatten. 4, sinngemäß, S. 226 f.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs ist in den 1920ern die Grenze Südtirols neu definiert worden. AV-Hütten wurden beschlagnahmt und die Sektionen enteignet. Ängste, Unrechtsgefühle und die Suche nach der eigenen Identität, sowie Arbeitslosigkeit, die rasante technische Entwicklung führte zur Perspektivlosigkeit und mischte sich mit antisemitischen Überzeugungen. Politisch gab es Raum für völkisches, radikales Denken.

Obwohl der erste Vorsitzende des DuOeAV, Reinhold von Sydow bemerkte, dass "immer nur die Frage der persönlichen Eignung für die Mitgliedschaft geprüft"4.3 werde, ist die Aufnahme des Arierparagrafen zwei Sektionen im Mai 1920 durch den Hauptausschuss bewilligt worden. 4, sinngemäß, Seite 228

Im Oktober 1921 führte die Wiener Sektion Austria, unter "Führung" des Nationalsozialisten Eduard Pichl, den „Arierparagraph“ ein.2, sinngemäß, Seite 60

Bis dahin hatten bereits 2.000 jüdischen Mitglieder, sowie zahlreiche liberal gesinnte Alpinisten, den Austritt von der Sektion Austria erklärt und die Sektion Donauland gegründet, die am 12. Mai 1921 mit knappen Mehrheitsentscheid in den DuOeAV aufgenommen wurde.2, sinngemäß, Seite 60 Die Sektion Donauland organisierte sich schnell, bot ein umfangreiches Touren- und Vortragsprogramm an und war bereits Ende 1922 die zweitgrößte Sektion Wiens. Sie erwarb die Glorerhütte und bekannte sich 1924 bei der Eröffnungsfeier 1, sinngemäß "für das Miteinander von Bergsteigern unabhängig von der Herkunft." 1

Angestachelt von Pichl, wurde der „Deutschvölkische Bund“ gegründet, er forderte den Arierparagraf verpflichtend in alle Satzungen zu übernehmen, sowie die Sektion Donauland vom DuOeAV auszuschließen. Die Anfeindungen wurden energischer, Hakenkreuze wurden an Hütten angebracht, die "plakative" Agitation (durch Tafeln und Plakate) gegen Juden und die Sektion Donauland auf Hütten konnte durch den DuOeAV-Vorstand nicht eingedämmt werden.1,sinngemäß

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Radstädter Hütte (Salzburger Schieferalpen) mit Hakenkreuz, vor 1924 (4, Seite 230), Quelle: Archiv des Oesterreichischen Alpenvereins, Innsbruck
Antisemitisches Plakat mit Stempel der Sektion Austria, 1921 (4, Seite 233), Quelle: Archiv des Oesterreichischen Alpenvereins, Innsbruck

Ausschluss der Sektion Donauland

Die Donaulandaffäre

Die Anträge der Antisemiten für den Ausschluss der Sektion Donauland wurden kontrovers diskutiert und scheiterten auf den Hauptversammlungen in Bayreuth 1922 und in Bad Tölz 1923.2, sinngemäß, Seite 61

Im Vorfeld der nächsten Hauptversammlung, 1924 in Rosenheim, drohten 101 Sektionen des "Deutschvölkischen Bundes" mit ihrem Austritt und bauten erfolgreich Druck auf die Verbandsleitung auf. Um eine drohende Spaltung des Vereins zu verhindern, legte der Hauptausschuss einen Kompromiss vor, der im Wesentlichen beinhaltete:2, singemäß, Seite 61 f.

Unter der Voraussetzung, dass der ‚Deutschvölkische Bund‘ seine Auflösung beschließe und für acht Jahre jeder Vorstoß zur Einführung eines allgemeinverbindlichen ‚Arierparagraphen‘ unterbliebe, wird Donauland aufgefordert ‚zur Wiederherstellung des Friedens und der ruhigen Entwicklung des Gesamtvereins‘ auszutreten. 2, sinngemäß, Seite 62

In Rosenheim wurde im Juli 1924 mehrheitlich für den Antrag gestimmt. Die Sektion Donauland trat "freiwillig" nicht aus.2, sinngemäß, Seite 62

Daraufhin wurde im Dezember 1924 in München eine außenordentliche Hauptversammlung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt, der Entfernung der Sektion Donauland aus dem DuOeAV, anberaumt. Mit der Bejahung des Antrages (mit fast 90% der Stimmen) war das dunkelste Kapitel des Alpenvereins besiegelt. 2, sinngemäß, Seite 62

Nachdem Ausschluss machte sich die Sektion Donauland selbständig. Weitere eigenständige Alpenvereine mit vornehmlich jüdischen Mitgliedern gründeten sich in München und Berlin. Diese arbeiteten eng mit dem Alpenverein Donauland zusammen. Der Deutsche Alpenverein Berlin und die Sektion Donauland erwarben ein Grundstück, auf dem die Berliner das Friesenberghaus errichteten.1

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Die Sektion Austria feiert sich als antisemitische Vorreitersektion: „Mitglieder der Sektion Austria können nur Deutsche /Arier/ werden.“ Quelle: (13)
Von nun an tanzt nicht nur die Plattlerriege der Sektion unter dem Hakenkreuz, Quelle: Archiv DAV Rheinland-Köln, Köln (5, Seite 13)
„Nur für Arier“, Botanischer Garten, Köln, Quelle: Rheinisches Bildarchiv, Köln (5, Seite 18)
Vereinszeitung der von Juden getragenen Sektion „Donauland“ Quelle: (13)

Stimmen

Eine böse Tat

Der damals 85-jährige Johann Südl, Gründungsmitglied des DAVs und Ehrenmitglied der Sektion Donauland, unterstütze die Sektion Donauland. Er lobte die Sektion als "Mustersektion"4.4  (Entwurf oder Abschrift), "sie hat auch nicht das Geringste getan, was die Interessen des Alpenvereins geschädigt hätte[...]".4.4  (Entwurf oder Abschrift) Er formulierte weiter: "Es ist mir ein wahres Herzensbedürfnis [...] Sie inständigst zu bitten, der unfassbar empörenden Zumutung des freiwilligen Austritts ein entschiedenes ‚Nein!‘ entgegenzusetzen."4.4  (Entwurf oder Abschrift) Am gleichen Tag, im Oktober 1924, schrieb er an die Sektion Donauland: "Das himmelschreiende Unrecht, dass der Hauptausschuss in seiner törichten Angst vor dem Terror destruktiver Elemente und die irregeleiteten, verhetzten, nicht genügend informierten Sektionen an ‚Donauland‘ zu begehen sich anschicken, wird dem Alpenverein nicht den Frieden, sondern den Fluch der bösen Tat bringen" 4.5

"Sydow veröffentlichte mehrfach längere Artikel in angesehenen Zeitungen, in denen er seine Sichtweise, durch den Ausschluss sei der Antisemitismus im Alpenverein aufgehalten worden, klar darlegte. Aber offenbar hatte der höchst erfahrene Jurist, Beamte und Politiker nicht beachtet welch große symbolische Bedeutung dieser Akt des Ausschlusses hatte - der Alpenverein galt damit schlicht als antisemitisch [...]" 4, Seite 244

Max Naumann, der Vorsitzende des Verbandes nationaler Juden veröffentlichte in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, sowie Berliner Börsenzeitung folgenden Kommentar unter dem Titel "Die Donaulandfrage im Alpenverein"4.6: "Die Vorgänge im Alpenverein gehen in ihrer Bedeutung weit hinaus über den Rahmen interner Vereinspolitik. Sie sind in kleinem Rahmen ein Abbild dessen, was heute auf jedem Gebiete des deutschen Lebens vor sich geht und was in letzter Linie nur dem äußeren Feinde zugute kommt. Ein Abbild der jammervollen Uneinigkeit, die es zu einer wahren deutschen Volksgemeinschaft und damit zu einer geschlossenen Abwehr äußerer Bedrängungen nicht kommen lässt." 4.7

Der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ bilanzierte die Situation für die frühen 1920er Jahre folgendermaßen: „Es ist und bleibt traurig, dass der einst bühende Verein auf derartige abschüssige Bahn geraten ist. Einst war seine Geselligkeit vorbildlich. Christen und Juden begeisterten sich friedlich nebeneinander wetteifernd für die Schönheiten der alpinen Natur, als noch nicht […] dem Bergsteiger vor der Hütte in Fels und Schnee die Inschrift entgegenstierte: ‚Juden ist der Eintritt verboten‘.“ 5.1

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„So, jetzt sind wir ganz unter uns!“, Karikatur von Paul Humpoletz in
dem Wiener Satireblatt „Der Götz von Berlichingen“, Ausgabe Nr. 51,
1924, Quelle: (4, Seite 243), Archiv des Oesterreichischen Alpenvereins,
Innsbruck

1933

Nationalsozialismus und Antisemitismus

Nach der "Machtergreifung" Hitlers und der NSDAP am 30. Januar 1933 wurden rasch viele deutsche Vereine der NSDAP untergeordnet, aufgelöst oder verboten.4, Seite 256-268 gekürzt Auch der Deutsche Alpenverein Berlin wurde 1934 aufgelöst. Kurz zuvor hatte er das Friesenberghaus an den Alpenverein Donauland übereignet.1 Da der DuOeAV Mitglieder aus zwei Ländern hatte, konnte die parlamentarische Vereinsstruktur des Dachverbandes bis 1938 aufrecht gehalten werden.4, Seite 275 sinngemäß, gekürzt Der vereinbarte Kompromiss von 1924 hielt, ermutigt durch diese Veränderungen stellte Pichl erneut den Antrag zur Aufnahme des „Arierparagrafen“ in die Satzung des DuOeAVs. Den mindestens erforderlichen Stimmenanteil der Sektionen aus Deutschland, bekam der Antrag nicht. Man einigte sich auf eine Empfehlung. 4, Seite 269, sinngemäß und gekürzt

Jedoch nahm das diktatorische Regime direkten Einfluss auf die deutschen Sektionen und Mitglieder, der Einfluss des Dachverbandes sank. Das "Führerprinzip und die Arierbestimmung" war anzunehmen, die Sektionsleitungen mussten Fragebögen ausfüllen. Zunächst wurden die Sektionen Mitglieder des Deutschen Bergsteiger- und Wanderverbandes des Reichssportführerrings. Ab 1934 folgte die Eingliederung der Vereine in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL), der mächtigen Dachorganisation für den Sport im NS-Staat. Einige Sektionen haben alleine 1933 drei Satzungsänderungen vorgenommen. 4, Seite 275 sinngemäß, gekürzt

Im Rahmen umfassender Agitation gegen Österreich trat am 15. Mai die "Tausend-Mark-Sperre" in Kraft14. Wer von Deutschland nach Österreich ausreisen wollte, musste 1.000 Reichsmark bezahlen. Die Reise nach Österreich war damit für die meisten Touristen und Alpenvereinler unerschwinglich geworden, ein Schock für den österreichischen Tourismus.14 Nach einem Anschlag wurde die österreichische NSDAP am 19. Juni 1933 verboten.14

Die nächsten beiden Hauptversammlungen veranstaltete der DuOeAV deshalb in Lichtenstein. 4, Seite 288 sinngemäß, gekürzt Später gab es Ausnahmeregelungen, Versammlungen fanden auch wieder in Österreich statt. 4, Seite 289 sinngemäß, gekürzt

Der Vorsitzende des DAV Donauwörth, Johann Schägger, vermerkte: "Die Sektionsführung war keine Freude mehr, wurden wir doch als Sportverein betrachtet und in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Unsere uneingeschränkte Selbständigkeit hatten wir verloren, wenn wir auch als ‚zweistaatlicher Verein‘ noch einige Privilegien genossen." Er wurde im Januar 1941 nach Differenzen mit der Partei ausgeschlossen und trat nach 25 Jahren zurück.9, Seite 16

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Ausschluss von Martin Thurnauer aus der Sektion Noris des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Nürnberg, 13. November 1933
Leo Baeck Institute, Martin Thurnauer Collection, AR 10901, Streichen oder Klicken auf/über das Bild öffnet das Originaldokument
Quelle: Jüdisches Museum Berlin20

1936

Politische Instrumentalisierung des Vereins

Als weiterer Tiefpunkt während der NS-Zeit sei die politische Instrumentalisierung der Hauptversammlung 1936 genannt. Am gleichen Tag, dem 11. Juli, wurde das "Juli-Abkommen" zwischen dem Deutschen Reich und Österreich beschlossen, das u. a. die "Tausend-Mark-Sperre" zum 24. August aufhob. Die Hauptversammlung fand in Garmisch statt. Der österreichische Innenminister Wilhelm Frick hatte den 500 deutschen Teilnehmern die Einreise nach Innsbruck erlaubt. 4, Seite 289 sinngemäß

Zeitzeugen der Sektion Tübingen formulierten im Jahresbericht 1936: "[...] in Innsbruck wurden wir empfangen wie längst erwartete alte Freunde und Verwandte; der Bahnhof, der Vorplatz war gefüllt mit freudig bewegten Deutschen, die uns mit Blumen bekränzten und in Heilrufen, lautem Willkommensgruß nach deutscher Art und gedämpften Heil-Hitler-Rufen ihrer Herzensfreude Ausdruck gaben. Nur die Polizei und die offiziellen Organe schienen keine rechte Freude zu haben. Wo sie standen mußten [sic] die Innsbrucker sich in Acht nehmen, weil ‚Heil Hitler!’ noch strafbar ist in Österreich. [...]"4.10

Der Botschafter Franz von Pappen berichtete an Hitler: Es "[...] hat sich in der Hauptstadt Tirols an diesem Sonntag Nachmittag ein Empfang abgespielt, der unvergeßlich bleibt. Die wehenden Hakenkreuzfahnen über den Häuptern einer jubelnden Menge auf dem Marktplatz von Innsbruck scheinen mir eindrucksvoller als viele Berichte dartun [...]" 4.8

Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Paul Dinkelacker, und Borschers, entschuldigten sich persönlich beim Innsbrucker Bürgermeister und beim Tiroler Landeshauptmann dafür, das "ein paar Heißsporne anlässlich des Einzuges in die Stadt Hackenkreuzfahnen [sic] überraschend hervorzogen und dabei unter den gegebenen Umständen vielleicht den Eindruck einer Parteidemonstration hervorgerufen hätten". 4.9

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Hauptversammlung des DuOeAV 1936 in Garmisch-Patenkirchen, Anmerkung: Die Hakenkreuzfahne war zu dem
Zeitpunkt die offizielle Fahne des Deutschen Reichs17, (6), Foto: Archiv des DAV, München

1938 - 1945

Gleichschaltung und Verbot

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde der DuOeAV zum Deutschen Alpenverein (DAV). Binnen Wochen ist der Großteil der Vereinsleitung ausgetauscht worden. Arthur Seyss-Inquart, Reichsstatthalter in Wien und verantwortlich für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wurde 1938 zum Führer des DAV ernannt. Der DAV wurde zu einer Unterorganisation des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL) und damit in den nationalsozialistischen Staatsaufbau integriert. Andere alpine Vereine (z. B. Naturfreunde) mussten dem DAV beitreten oder wurden aufgelöst oder enteignet.4, Seite 292-296 gekürzt

Aufgelöst wurde auch die Sektion Donauland, das Friesenberghaus wurde der Gestapo 4, Seite 301 übergeben, zur Ausbildung genutzt 16 und 1945 geplündert 1. Die Glorer Hütte ging an den Deutschen Alpenverein. Von ihm erwarb die Sektion Teplitz 1940 die Hütte.1

Mit den binnen kurzerster Zeit nach der Machtergreifung gegründeten Organisationen und Verbänden konnte die NSDAP die Gesellschaft organisatorisch weitgehend durchdringen und die Bevölkerung sowohl im Beruf als auch in der Freizeit kontrollieren und indoktrinieren. Es gab insgesamt 95 Organisationen im Umkreis der NSDAP.10

Die Satzungen wurden mehrmals angepasst, in der Einheitssatzung von 1938 stand neben dem „Arierparagraph“ unter § 1, Absatz 2: „Zweck des Vereins ist die leibliche und seelische Erziehung [...] durch planvoll betriebene Leibesübungen und Pflege des Volksbewusstseins im Geiste des nationalsozialistischen Staates.“ 4, Seite 296 Der DAV teilte im September 1938 mit: "Die Gleichschaltung war abgeschlossen, das ‚Bekenntnis zu den Grundsätzen des Nationalsozialismus’ abgelegt, und der Deutsche Alpenverein ‚zur alleinigen deutschen Bergsteiger- Organisation bestellt’". 5.2

Der DAV war zuständig für die Ausbildung des Nachwuchses für die Gebirgstruppen der Wehrmacht und arbeitete hierbei eng mit der Hitlerjugend (HJ) zusammen.19 Der Informationsdienst des Alpenvereins verbreitete wenige Wochen vor Kriegsbeginn im August 1939 an die Presse: "Nicht Schutzhütten und Mitgliedziffern [sind] im Vordergrund, vielmehr die alpinmilitärische Vorbereitung". 4.11

Als nationalsozialistische Organisation verboten 1945 die Alliierten den Alpenverein.7

Arthur Seyss-Inquart war als Reichskommissar für die besetzten Niederlande von 1940 bis 1945 für Geiselerschießungen, Unterdrückungsmaßnahmen und für die Deportation von rund 100.0004, Seite 315 Juden verantwortlich und wurde 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zum Tod verurteilt.7 Mehr als sechs Millionen Juden wurden von Deutschen während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes ermordet.16

 

 

Wiedergründungen

Der Neubeginn - Chance und Mahnung

Der DAV kehrte zu seiner demokratischen Tradition zurück. Ein Großteil des Führungspersonals war jedoch in das NS-Regime eingebunden und Mitglied der NSDAP gewesen.18 In Bayern prüfte die US-amerikanische Militärregierung alle Vorstände der wiedergegründeten Sektionen auf Ihre Vergangenheit und nur wer unbelastet war erhielt eine Lizenz.9 In der sowjetischen Besatzungszone wurden 79 ostdeutschen Alpenvereins-"Zweige" aufgelöst und konnten erst 1990, nach dem Fall der Mauer, wieder gegründet werden.19, sinngemäß

Unser Verein wurde am 5. April 1948 wieder gegründet und trat der im Mai 1947 gegründeten ‚Landesarbeitsgemeinschaft Bayern’ bei.9, 4, Seite 314 Im Herbst 1950 nahmen der Österreichische Alpenverein (OeAV) und der Deutsche Alpenverein (DAV) ihre Namen an7 und unsere Sektion wurde Mitglied des DAVs.

Einige der wenigen überlebenden und zurückgekehrten Mitglieder gründeten den Alpenverein Donauland neu. Er umfasste in den 1950er Jahren etwa 120 Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder war aber zu gering, um die Hütten dauerhaft erhalten zu können, so dass 1968 die Glorer Hütte und das Friesenberghaus an die DAV-Sektionen Eichstätt und Berlin verkauft wurden. Im Mai 1976 löste sich der Alpenverein Donauland auf.1

2001 beschloss der DAV den Ausbau des Friesenberghauses als Begegnungsstätte.1

Mit dem Neubeginn wurde die Chance genutzt, der Verein veränderte sich. Trotzdem ist Erinnern und Mahnen unabdingbar.

 

 

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Friesenberghaus 1929, Foto: Wilhelm Durand (1)
Gedenktafel am Friesenberghaus von 1980, Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Friesenberghaus, Aufgerufen: 11.06.2019

 

 

Für Offenheit, Vielfalt und Toleranz

Für ein offenes und tolerantes Miteinander aller Menschen

Wir lieben die Berge. Wir alle. Platz für Intoleranz und Diskriminierung, gibt es nicht.

In der Satzung definieren wir, dass der Verein parteipolitisch neutral ist, die Grundsätze religiöser, weltanschaulicher und ethnischer Toleranz verfolgt, sowie das auf Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen geachtet wird.

Der Alpenverein bekennt sich klar zur Offenheit, Toleranz und Wertschätzung gegenüber allen Menschen, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur, sexuellen Orientierung oder ethnischen Herkunft.12

Er tritt ein für Freiheit, Respekt und Verantwortung. Für ein offenes und tolerantes Miteinander aller Menschen. Heute, morgen, hier und überall.12

 

 

 

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Gedenkstein „Gegen Hass und Intoleranz“, zu finden am
Alpinen Museum in München (Praterinsel), an der Glorerhütte,
am Obertauernhaus und am Friesenberghaus; Foto: DAV (3);
bearbeitet

 

 

 

 

 

 

Buchtipp, Downloads und Quellennachweis

Buchtipp
Berg Heil Alpenverein und Bergsteigen 1918 1945       

Alpenverein und Bergsteigen 1918 - 19454

Die Sehnsucht nach einer Bergwelt, die Rückzugsmöglichkeit vom krisengeschüttelten Alltag versprach, prägte in den 1920er und 1930er Jahren den Bergtourismus und die Diskussion im Alpenverein.

In Wort und Bild erzählt dieses Buch von den alpinistischen Leistungen und den enormen Risiken, die dabei eingegangen wurden, sowie von der zunehmenden Popularität des Bergsports und den damit verbundenen Auswirkungen.

Darüber hinaus stellt es auch die politische Geschichte des Vereins dar, die in diesen Jahren vielfach von nationalistischer Geisteshaltung, von Ausgrenzungen und Antisemitismus geprägt war.

Herausgegeben vom Deutschen Alpenverein, vom Oesterreichischen Alpenverein und vom Alpenverein Südtirol.

600 Seiten, 450 Abbildungen, 2011

Quellennachweis

 

Zusammenstellung: Stefan Rösch, Onlineredaktion DAV Donauwörth