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Alles
begann vor zwei Jahren an einem wunderschönen Freitagnachmittag im Juli.
Genaugenommen war's der 31. um 17:00 Uhr. Da nämlich stand Martin vor
meiner Haustür, und nachdem wir seinen Wagen mit lauter so fremdartigen
Dingen wie Schleifsäcken, Handsteigklemmen, Shunts usw. vollgepackt hatten,
ging's los nach Schelklingen/Schmiechen zum Ausbildungslager für junge
Höhlenforscher.
Dort angekommen, wurden wir von Petra Boldt mit einem herzlichen "Glück
Tief" empfangen. Erst mal hieß es für uns Abendessen und Zelt aufbauen
und dann schließlich die ersten fremden "echten" Höhlenforscher
kennenlernen. Das waren ja ganz normale Leute! Abgesehen davon vielleicht,
dass sie etwas blasser um die Nase waren als die "Überirdischen"
um diese Jahreszeit und sich fast ausschließlich über solche Dinge wie
"Kataster", "Grottenolme", "fränkische HöFo's"
und Fledermäuse ausließen.
Am nächsten Tag hatten wir noch unsere Ruhe, weil noch Anreisetag war.
Dann aber kam der Sonntag. Es wurde ernst: Wir wurden in die verschiedenen
Ausbildungsgruppen eingeteilt. Etwas beruhigter war ich jetzt schon. Die
anderen Leute aus meinem Kurs (Befahrungstechnik) waren nämlich fast alle
genauso ahnungslos wie ich. Unsere Kursleiter Kai und Krzysztof entwirrten
als erstes unsere Ausrüstung, die wir uns so zusammengeborgt hatten. Nach
ein bisschen Bastelei standen wir nun da wie lauter Sadomasochisten: In
leicht gebückter Haltung und eingeschnürt bis zum Hals mit Gurten, Kuhschwänzen
und klingelnden Karabinern. So sollten wir also unseren Sommerurlaub verbringen
- die meisten von uns waren schon etwas skeptisch.
Aber das Abenteuer begann erst als wir am nächsten Tag wie die Lemminge
mit Schleifsack auf dem Rücken zu einer riesengroßen Eiche marschierten,
an der unsere Ausbilder einen ganzen Sack voller Stricke aufhängten. An
der Strickleiter ging's auffi und jetzt war der Spaß vorbei. Wir sollten
uns mit unserem "Shunt" und "Simple" an ein Seil hängen
- und vom Ast springen! Na ja, dachte ich mir, ich bin ja schließlich
nicht der Erste, der sein Leben an diese Dinger hängt, und los ging's.
Huiii, das war vielleicht ein Spaß! So verbrachten wir also unseren ersten
Ausbildungstag.
Als wir wieder ins Lager kamen, gab's schon was zu Staunen. Da hatten
Saskia und Florian doch tatsächlich einen Zaun um ihre Zelte gespannt!
Hier, im Vorgarten feierten wir nun fast jeden Abend ein Gartenfestle.
Tags darauf machten wir die schmerzliche Erfahrung, dass jeder, der runter
will, auch rauf muss! OK, dachten wir uns, packen wir halt unsere Steigklemmen
aus und klettern da rauf. Aber denkste! Bereits nach 2 Metern bemerkten
die ersten, dass das ganze durchaus in schwere Arbeit ausartet! Und natürlich
stimmten anfangs bei fast keinem die Längen von Trittschlinge und Longe.
Als irgendwann mal alles passend eingestellt war, hetzten uns unsere Ausbilder
doch tatsächlich eine 60-Meter-Strecke aufwärts, indem sie von unten immer
dann, wenn man fast an der rettenden Umlenkrolle angelangt war, wieder
Seil nachgaben, bis man wieder auf Augenhöhe der Zuschauer war! Und das
bei mindestens 40 Grad im Schatten! Diese Schufte! Und als wir dann alle
am Boden lagen und um Luft rangen, erzählten sie uns doch glatt, dass
man in der Höhle mit Schlaz und Gerödel spätestens nach 30 Metern genauso
kaputt ist, wie wir es jetzt gerade waren!
Die nächsten Tage vergingen ebenfalls buchstäblich mit "Hängen und
Würgen". Was hatten wir uns da angetan? Täglich ließen uns Kai und
Krzysztof den Baum, später auch am Felsen, rauf- und runterhetzen. Aber
je fertiger wir waren, desto stolzer wurden wir auch auf die kleinen Erfolge,
die wir täglich verbuchen konnten. Volker lernte zum Beispiel, dass man
sich beim Abseilen mit Hilfe einer Stichplatte durchaus wirkungsvoll an
einem Baum aufhängen kann, ohne dass man ohne fremde Hilfe jemals wieder
festen Boden unter die Füße bekommt. Oder, wie man ohne Steigklemme an
einem Seil hochklettert, wenn man dieselbe nämlich beim Umsteigen während
des Abseilens am Seil vergessen hat, und sie jetzt gute sieben Meter über
einem selbst baumelt. Aber mit der Zeit wurden wir alle wirklich gute
Abseiler. So gut sogar, dass wir uns nach etwa einer Woche 40 Meter tief
in die Erde abseilten!
Für unser theoretisches Wissen wurde vor allem abends gesorgt. Wer sich
nicht gerade im Vorgarten bei einem kühlen Bierchen entspannte, saß im
Schulungszelt und ließ sich eindrucksvolle Vorgänge längst vergangener
Zeiten erklären. Kein Wunder, dass unser Sprachgebrauch ganz allmählich
versinterte und wir beispielsweise unter dem Begriff "Molasse lassen"
etwas gänzlich anderes verstanden, als der Rest der Welt...
Aber natürlich drehten sich die vierzehn Tage nicht nur um die Höhlen!
So lernten wir zum Beispiel ganz nebenbei, solch lebenswichtige Sätze
wie "Ich muss pinkeln." oder "Ein Käfer krabbelt im Schilf."
in einem nahezu perfekten Polnisch auszusprechen. Ohne natürlich zu wissen,
ob wir wirklich das sagten, was wir dachten, zu sagen. Aber wir hatten
auf jeden Fall alle unseren Spaß dabei, besonders natürlich die polnischen
HöFo's!
Am letzten Tag stand nun die große Vorstellung der verschiedenen Kurse
an. Nur wäre es für die erfahrenen Höhlenforscher wohl ziemlich langweilig
gewesen, uns beim Abseilen zuzuschauen. Also stapelten wir kurzerhand
ein paar Biertische aufeinander, banden alle mit den irrsten Knoten und
Flaschenzügen zusammen und setzten Volker drauf, der, vorschriftsmäßig
gesichert und mit Helm, erzählte, was so mancher von uns durchmachen musste,
um das Handwerkszeug eines Höhlenforschers zu erlernen. Der Rest der Bande
kletterte währenddessen wie wildgewordene Wühlmäuse durch das Labyrinth
der Biertische. Als Volker irgendwann nichts mehr einfiel und uns Anderen
die Kraft ausging, kamen wir Befahrungstechnik-Lehrlinge schließlich zu
ungeahnten Ehren: Wir wurden allesamt mit einem Orden zu richtigen Höhlenforschern
befördert! Dass die Orden eigentlich kleine Felsbrocken an Reepschnüren
waren und uns schier die Luft abschnürten, störte in diesem Moment niemanden.
Am wenigsten uns selber, so stolz waren wir allesamt!
Schade nur, dass der ganze Spaß damit auch fast schon wieder vorbei war.
Natürlich durfte am letzten Abend ein Büffet auf keinen Fall fehlen. Das
war aber auch eins! Wenn ich heute daran zurückdenke, drückt mich immer
noch der Bauch. Vollgespachtelt bis zum Rand, saßen wir noch lange beieinander
und erzählten uns Geschichten aus längst vergangenen Tagen, bis einer
nach dem anderen ins Zelt verschwand, um für die teils mehrtägige Heimreise
ausgeschlafen zu sein. Viele verabschiedeten sich mit dem Satz: "Bis
in zwei Jahren!" Ich bin ja mal gespannt, wen ich heuer wieder auf
dem Lager antreffe...
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Alles
in Allem war es der ungewöhnlichste Urlaub, den ich je verbrachte. Aber
bestimmt auch einer der schönsten. Dazu trug natürlich auch das herrliche
Wetter bei, aber eine Rückenmassage von Regina bei Djembe-Getrommel am
Lagerfeuer hat halt schon auch etwas ganz Spezielles! Das war's überhaupt:
Jeder, der dabei war, konnte irgend etwas anderes. Sei es jetzt Gitarre
spielen, singen (egal ob jetzt mehr oder weniger schön), Tiramisu backen,
Karbid-Bomben basteln, Geschichten erzählen, Bumerang bauen, Fingernägel
bemalen (bei uns Jungs, versteht sich) oder Honig-Popcorn machen. Und
jeder einzelne trug seinen Teil dazu bei, diese zwei Wochen mit Sicherheit
noch lange unvergessen zu machen.
Jürgen
Blank
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Im Kampf gegen den "Superschluf" |