Seit 1895 treffen sich im Café Metz naturbegeisterte Donauwörther und äußeren den Wunsch, eine Sektion Donauwörth des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zu gründen. Kurze Zeit später waren bereits 30 Unterschriften zusammen und die Einladung zu einer Besprechung betreffs der Gründung einer Alpenvereinssektion wird im Donauwörther Amtsblatt publiziert.
Am 17. Januar 1896 wird der Verein aus der Taufe gehoben. Gymnasialprofessor Cornelius Deschauer, der die Gründerversammlung leitet, eröffnet die Versammlung um 20.35 Uhr, zerstreut noch mögliche Zweifel und erhält um 20.50 Uhr die Zustimmung zur Sektionsgründung. Er selbst wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Das "Donauwörther Anzeigenblatt" vom 18. Januar 1896 jubelt: "Wer hätte es geahnt, dass es in unserer Stadt nebst Umgebung so viele begeisterte Freunde unserer herrlichen Alpen gibt!" Am Ende der Versammlung zählte der Verein bereits 48 Mitglieder. Der Vereinsbeitrag wurde mit acht Mark (heutiger Wert ca. 40 - 50€) festgelegt, sechs (heutiger Wert ca. 30 - 40€) davon gingen an den Zentralausschuss des DuOeAV (Deutscher und Österreichischer Alpenverein), der am 8. Februar 1896 zur Gründung gratulierte.
Beschwerliche Wege in die Alpen
In den ersten Jahren nach der Gründung ist der Weg in die Alpen beschwerlich und langwierig. Der Alpenrand ist mit der Bahn eine Tagesreise entfernt und die Mitglieder haben kaum Urlaub. In den Anfangsjahren der Sektion trägt Vorsitzender Cornelius Deschauer „Reiseerinnerungen aus Tirol“ vor, es werden monatliche Treffen, Sonnwendfeiern, Wanderungen in der Umgebung Donauwörths sowie eine Bergfahrt im Sommer angeboten.
Alpen-Verein Schellenberg
Der konkurrierende "Alpen-Verein Schellenberg" hatte sich sowohl dem Studium der Flora und Fauna in der näheren Umgebung verschrieben als auch der allmonatlichen "Begehung" des Schellenberges und der Durchführung von Sonnwendfeiern und Faschingsteilnahmen. Penibelst protokolliert ist auch die erste Teilnahme von Frauen bei der Schellenbergerklimmung vom 24. März 1898. Es handelte sich um die zukünftige Frau und Schwiegermutter des Vorsitzenden Franz Auer.
Kurioses: die Ortsgruppe "Hamburg" (1905 - 1911)
1904 lernt der damaliger Schriftführer Ludwig Auer (II) auf der Prager Hütte Herrn Siemers und weitere Mitglieder der Sektion Hamburg kennen und schlägt spasshalber vor, sie könnten doch der Donauwörther Sektion beitreten. Drei Hamburger tun dies tatsächlich und so wird 1905 eine Ortsgruppe "Hamburg" der Sektion Donauwörth gegründet.
Bis zum Jahr 1911 wächst die Mitgliederzahl dieser Ortsgruppe auf 110 - damit wird sie zeitweillig mitgliederstärker als die Donauwörther Sektion selbst. Nach Überwindung mancher Schwierigkeiten in Hamburg wird 1911 eine eigene Sektion „Niederelbe-Hamburg“ gegründet, die 2005 in der heutigen Hamburg und Niederelbe aufgeht.
Wegebau ab 1904
Um die Jahrhundertwende wird Kommerzienrat Dr. Oskar Mey aus Bäumenheim Mitglied in der Sektion. Der Energie und Finanzkraft Meys ist es zu verdanken, dass trotz Widerstand ein Klettersteig von österreichischer Seite (Ausgangspunkt Hinterhornbach) über den Südostgrat auf den Hochvogel erbaut wird, der den Namen „Bäumenheimer Weg“ trägt. Die Betreuung dieses Steiges übernimmt die Sektion Donauwörth 1905. Der Weg wurde im Jahr 2014, aufgrund akuter Steinschlaggefahr und daraus resultierender absoluter Lebensgefahr, gesperrt. 1970 und 1980 kamen drei weitere Wege in Hinterhornbach hinzu, 1985 folgte der Edelweißweg in Donauwörth.
Vorstandschaft in Hinterhornbach 1912 - Von links stehend: Von Stockar, unbekannt, Ludwig Auer (II), unbekannt, Baudrexl, Liebisch - Sitzend: Unbekannt, Cornelius Deschauer, unbekannt | Postkarte von Josef Friedl, Landhasthof Adler, Hinterhornbach an den Vorstand: "Hinterhornbach am 1.8.25. Sehr geehrter Herr Vorstand, Ich kann Ihnen kurz berichten, dass alles in Ordnung ist, die Magierung (Markierung) und die Tafel. Mit bestem Gruß Josef Friedl“
Die Vorträge der Sektion bringen damals schon Bilder und Erlebnisse der Bergwelt nach Donauwörth. Mit dem Interesse wächst so auch die Mitgliederzahl. Cornelius Deschauer führt den Verein engagiert und umsichtig bis zu seinem Tod 1916. Nachfolger wird (zunächst abwesend im Kriegsdienst) Johann Schägger.
Den ersten harten Schnitt im Vereinsleben markiert der erste Weltkrieg. Dennoch werden auch in dieser Zeit von Mitgliedern, die nicht eingezogen waren, Bergfahrten unter sehr erschwerten Verhältnissen unternommen. Da galt es oft noch schwere Rücksäcke zu schleppen, da man in Tirol fast nichts mehr zum Essen bekam.
Das 25. Gründungsjahr 1921 feiert die Sektion aufgrund der Not der Nachkriegszeit und der beginnenden Inflation nur in kleinem Rahmen.
Zwischen den Weltkriegen blüht das Sektionsleben wieder auf. Es werden zahlreiche Bergwanderungen unternommen und das Vortragswesen erfreut sich regen Interesses.
1924 finden sich Fans des „weißen Rauschs“ in unsererem Verein zusammen. Die ersten Ski-Fahrten werden in der näheren Umgebung unternommen. Es gibt kaum Seilbahnen oder Skilifte, die Disziplinen Ski alpin und Skitour sind noch eng verwachsen. 1935 findet dann am Nebelhorn der erste Skikurs mit 26 Teilnehmern statt. Basis ist das Edmund-Probst-Haus. Im Jahr darauf bricht eine zehnköpfige Gruppe zum Kitzbühler Horn auf. Bereits zwischen 1936 und 1939 wird in der Winterzeit Skigymnastik mit 30 bis 40 Teilnehmern angeboten.
Johann Schägger vermerkte zum Vereinsleben in der NS-Zeit: "Die Sektionsführung war keine Freude mehr, wurden wir doch als Sportverein betrachtet und in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Unsere uneingeschränkte Selbständigkeit hatten wir verloren, wenn wir auch als 'zweistaatlicher Verein' (Deutscher und Österreichischer Alpenverein; DuOeAV) noch einige Privilegien genossen."
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde der Alpenverein als Deutscher Alpenverein (DAV) eine Unterorganisation des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL) und damit in den nationalsozialistischen Staatsaufbau integriert. Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, der bis 8. Mai 1945 andauerte.
Johann Schägger wurde im Januar 1941 nach Differenzen mit der Partei ausgeschlossen und musste nach nahezu 25 Jahren seinen Rücktritt als 1. Vorsitzender erklären. 1942 übernahm Alfred Vogel die Sektionsleitung. Als nationalsozialistische Organisation verboten 1945 die Alliierten den Alpenverein.
Im Mai 1946 wurde der DAV mitsamt allen Unterorganisationen verboten, da er von den Alliierten als nationalsozialistische Organisation angesehen wurde. Neugründen fanden ab 1947 landesweit und vor Ort statt. So fanden sich im April 1948 insgesamt 54 Interessierte auf Betreiben des Interimsvorstandes Ludwig Auer (III) im Gasthof Krone ein und wählten eine neue Gründungsvorstandschaft. Diese bestand die nötige Prüfung durch die Regierung und so konnte die Sektion am 20. April 1948 der Landesarbeitsgemeinschaft und 1950 dem wieder erlaubten DAV beitreten.
In den Folgejahren geht es nach Konstein zum Klettern und dank des mobilen Fortschritts sind Berg-, Ski-, Kletter- und Arbeitsfahrten nun einfacher möglich. Es werden beliebte Ski- und Langlaufwettbewerbe angeboten (so etwa die Donauwörther Stadtmeisterschaften im Abfahrts- und Torlauf!) und Langläufer der Sektion werden in die deutsche Nationalmannschaft berufen.
1972 kann der DAV-Turm als Vereinsheim und Geschäftsstelle bezogen werden. 1992 kommt das "Wolfshaus", das Jugend und Büro beheimatet, sowie ergänzend 1995 die Garage hinzu. Alle drei Gebäude befinden sich im hinteren Teil der Hadergasse.
Seit 1973 besteht die Partnerschaft zum OeAV Teufelstein, in den 2000ern schließt sich die DAV Sektion Nördlingen als zweiter Partnerverein an.
Vor allem in den 1970ern und 1980ern nehmen Vereinsmitglieder an Expeditionen auf 5.000ern bis 8.000ern teil. Die Sektion ist tonangebend bei Skifahrten und Stadtmeisterschaften und im Langlauf- und Rollskilauf-Spitzensport erfolgreich. Die Naturschutzsparte wird eingerichtet, Bergmessen werden angeboten.
1996 findet anlässlich des 100-jährigen Bestehens das erste Hadergassenfest sowie eine Ausstellung statt. 1999 wird diese Homepage aus der Taufe gehoben.
Der Verein beginnt sich um die Jahrtausendwende noch breiter aufzustellen, neue Gruppen (z. B. Inlineskating, Mountainbike, Tour des Monats) werden etabliert und unterschiedlichste Events (z. B. Nordic Walking Event, Winterwalking) angeboten. Bis zur Auflösung im Jahr 2015 sind die Inlineskater (inter-)national erfolgreich.
Die Mitgliederzahlen wachsen rasant: hat die Sektion 1989 noch 1.000 Mitglieder, so sind es 2012 bereits doppelt so viele und 2023 heißt Vorsitzende Claudia Reichenbacher das 4.000 Mitglied willkommen. Damit avanciert der DAV Donauwörth zum größten Verein der großen Kreisstadt.
2012 wird die Kletterhalle Donauwörth eröffnet: Ende 2010 rief Oberbürgermeister Armin Neudert lauten Jubel und stehende Ovationen beim Sektionsabend hervor, als er ankündigte, dass die Halle 2011 gebaut werde und die Stadt dafür 500.000 € zurückstelle. Das von der Sektion vorgelegte Konzept und die bereits gesicherte Finanzierung in Höhe von 150.000 € seitens der Sektion für den Innenausbau überzeuge. Die Halle ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Donauwörth und des DAV Donauwörths. Der "Kraxlstadl" wir seitdem tagsüber von der Stadt Donauwörth genutzt (z. B. für Schulsport, therapeutisches Klettern) und steht abends dem DAV zur Verfügung.
Erstmals werden 2018 mit Claudia Reichenbacher als 1. und Katja Bäcker als 2. Vorsitzender zwei Frauen an die Vereinsspitze gewählt. 2019 verpflichtet sich der gesamte DAV mit dem Satz "Die Zeit des Zauderns ist vorbei, wir müssen Handeln. Jetzt!" zum konsequenten Klimaschutz. Dazu werden ab 2022 die CO2-Emission genau erfasst - bis 2030 soll der Alpenverein klimaneutral sein.
2021 feiern wir, trotz COVID-19, mit einem Extraprogramm unser 125-jähriges Bestehen. Ferner wird im Stauferpark die neue Boulderhalle eröffnet. Im Jahr 2023 begrüßt die Sektion Donauwörth ihr 4.000 Mitglied.