Rainer, viele Mitglieder kennen dich noch nicht. Stell dich doch bitte kurz vor.
Mein Name ist Rainer Stahl, ich bin 60 Jahre alt und arbeite als selbstständiger Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Recycling, Umweltschutz und Genehmigungsverfahren.
In meiner Freizeit bin ich viel sportlich unterwegs – als Triathlet, Radsportler und Weitwanderer. Besonders gerne bin ich auf langen Strecken unterwegs. Ein außergewöhnliches Erlebnis war für mich beispielsweise die Alpenüberquerung von Wien nach Nizza im Jahr 2021 mit rund 2.200 Kilometern.
Darüber hinaus habe ich weitere Alpenüberquerungen mit dem Rennrad, dem Mountainbike und zu Fuß unternommen. Gerade bei solchen Touren erlebt man die unterschiedlichen Landschaften und Lebensräume der Alpen besonders intensiv.
Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder und ein Enkelkind. Als ich erfahren habe, dass das Amt des Naturschutzreferenten neu besetzt werden sollte, war für mich schnell klar, dass ich diese Aufgabe gerne übernehmen möchte. Sie verbindet meine beruflichen Erfahrungen mit meiner persönlichen Leidenschaft für Natur und Natursport.
Wo liegen deine sportlichen Schwerpunkte innerhalb des DAV?
Meine Schwerpunkte liegen vor allem beim Mountainbiken sowie beim Weit- und Fernwandern. Ich bin gerne lange und solo unterwegs und schätze dabei besonders die Verbindung von sportlicher Herausforderung und Naturerlebnis.
Gerade beim Mountainbiken wird deutlich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist. Wir bewegen uns unmittelbar in Lebensräumen von Tieren und Pflanzen und sollten uns deshalb auch entsprechend rücksichtsvoll verhalten.
Was motiviert dich persönlich, dich im Naturschutz zu engagieren?
Ich bin leidenschaftlicher Natursportler und für mich gehören Natursport und Naturschutz untrennbar zusammen.
Wenn man regelmäßig draußen unterwegs ist, erlebt man unmittelbar, wie sich Landschaften und Lebensräume über die Jahre verändern. Gleichzeitig bekommt man ein Gespür dafür, wie empfindlich manche Lebensräume sind. Wer die Natur genießen möchte, sollte deshalb auch etwas für ihren Erhalt tun.
Das gilt sowohl für unsere unmittelbare Umgebung als auch für die Alpen. Ich möchte dazu beitragen, dieses Bewusstsein innerhalb der Sektion weiterzugeben und zu schärfen. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, den Menschen vorzuschreiben, was sie tun dürfen und was nicht. Vielmehr möchte ich zeigen, wie Natursport und Naturschutz miteinander funktionieren können.
Der DAV hat sich ehrgeizige Ziele beim Klima- und Naturschutz gesetzt. Ist die Sektion Donauwörth aus deiner Sicht bereits auf dem richtigen Weg?
Ja, ich denke, dass die Sektion bereits auf einem sehr guten Weg ist. Viele Mitglieder bringen ein großes Interesse an Natur- und Klimaschutz mit. Insbesondere beim Klimaschutz gibt es bereits engagierte Strukturen und konkrete Maßnahmen.
Für mich ist aber genauso wichtig, dass wir das, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, erhalten und weiterführen. Dazu gehören beispielsweise bestehende Aktivitäten im Fledermausschutz. Es wäre aus meiner Sicht falsch, immer nur neue Projekte anzustoßen und dabei bewährte Naturschutzarbeit aus den Augen zu verlieren.
Gleichzeitig möchte ich dort neue Impulse setzen, wo sich Möglichkeiten ergeben.
Ein Projekt, das wir derzeit weiterentwickeln, betrifft die Mobilität bei unseren Sektionsfahrten. Wir möchten prüfen, inwieweit sich Fahrten mit einzelnen Privat-Pkw oder dem DAV-Bus durch ein Elektrofahrzeug aus dem Carsharing ersetzen lassen.
In Donauwörth steht dafür Fahrzeuge der deer GmbH zur Verfügung. Der große Vorteil ist, dass wir damit eine klimafreundlichere Mobilitätsalternative schaffen können, ohne unsere Touren und Aktivitäten einschränken zu müssen.
Wie funktioniert das E-Carsharing konkret?
Das wollen wir gerade in einem Pilotprojekt möglichst einfach und praxistauglich erproben. Interessierte Tourenleiter können sich über die deer-App zu unserem Account registrieren und dort ihren Führerschein verifizieren lassen. Die Fahrzeugbuchung und auch der Zugang zum Fahrzeug erfolgen anschließend vollständig über die App.
Eine Besonderheit bei einem Elektrofahrzeug ist natürlich die Reichweiten- und Ladeplanung. Gerade bei Wanderungen fahren wir häufig zu abgelegenen Wanderparkplätzen, an denen keine Lademöglichkeit vorhanden ist. Deshalb muss bereits bei der Tourenplanung berücksichtigt werden, ob die Hin- und Rückfahrt mit ausreichender Reserve möglich ist oder ob unterwegs eine Ladestation eingeplant werden muss.
Genau diese Abläufe möchten wir im Rahmen des Pilotprojekts so einfach wie möglich gestalten. Unser Ziel ist, dass für die Tourenleiter möglichst wenig zusätzlicher Aufwand entsteht und die klimafreundliche Mobilität nicht an organisatorischen Hürden scheitert.
Interessierte Tourenleiter können sich gerne unter naturschutz@dav-donauwoerth.de bei mir melden. Ich unterstütze bei den ersten Schritten und beim Einstieg in das System.
Ein besonderes Projekt der Sektion ist der Steinbruch am Wichtelesberg. Worum geht es dabei?
Das Projekt führen wir gemeinsam mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) durch. Der DAV unterstützt dabei insbesondere die praktischen Pflegemaßnahmen im teilweise steilen und schwer zugänglichen Gelände.
Hier können wir unsere Erfahrungen aus dem Bergsport und insbesondere aus dem Klettern und Bewegen in unwegsamem Gelände sehr gut einbringen. Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie die Kompetenzen eines Bergsportvereins unmittelbar dem Naturschutz zugutekommen können.
Welche Arbeiten stehen dort konkret an?
Ein Schwerpunkt ist die Entfernung nicht heimischer Pflanzenarten, sogenannter Neophyten. Diese können heimische Pflanzen verdrängen und dadurch die Artenvielfalt beeinträchtigen. Durch gezielte Pflegemaßnahmen wollen wir die heimische Flora fördern und damit langfristig auch Lebensräume für Reptilien, Vögel, Wildbienen und andere Insekten verbessern.
Mittelfristig ist außerdem die Anlage eines kleinen Teichs beziehungsweise Feuchtbiotops vorgesehen, um geeignete Lebensräume für Amphibien zu schaffen.
Geplant sind zwei bis vier Pflegeeinsätze pro Jahr. Darüber hinaus organisieren wir mehrmals jährlich Müllsammelaktionen. Die nächste findet am 12. September im Rahmen des World Cleanup Day am Wichtelesberg und im Steinbruch statt. Über jede Unterstützung freuen wir uns.
Was macht den Steinbruch aus Sicht des Naturschutzes so besonders?
Das Gelände bietet auf relativ kleinem Raum sehr unterschiedliche Lebensbedingungen. Gemeinsam mit dem LBV möchten wir deshalb zunächst genauer erfassen, welche Lebensräume und Arten bereits vorhanden sind. Eine entsprechende Biotopkartierung ist vorgesehen.
Auf den sonnenexponierten, südlich ausgerichteten Bereichen des Steinbruchs bieten sich beispielsweise gute Voraussetzungen für trockenheitsliebende Pflanzen, Reptilien und Insekten wie Wildbienen. In den schattigeren und feuchteren Bereichen besteht dagegen Potenzial für Lebensräume von Amphibien.
Unser Ziel ist nicht, die Natur dort komplett „zu planen“, sondern die vorhandenen Strukturen zu erkennen und durch gezielte Pflegemaßnahmen weiterzuentwickeln. Das Gelände besitzt aus meiner Sicht ein großes Potenzial für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.
Kannst du etwas über die Geologie dieses Gebietes erzählen?
Der Wichtelesberg gehört geologisch zum Bereich der Fränkischen Alb beziehungsweise des Fränkischen Juras. Hier wurde über lange Zeiträume Jurakalk abgebaut, unter anderem für die regionale Bautätigkeit.
Besonders interessant ist aber vor allem das Zusammentreffen verschiedener Landschaftsräume rund um Donauwörth: die Jurahochflächen, die Schwäbische Alb, das Donautal und die Donauauen. Diese geologische und landschaftliche Vielfalt macht unsere Region aus meiner Sicht besonders interessant – und sie bietet auch für den Naturschutz ganz unterschiedliche Ansatzpunkte.