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Von Unter- und Überdosen: Davos 2026

Von Tim Roser

12.03.2026

Donnerstag, 5.15 Uhr: wir starten bei Tim mit einer ordentlichen Unterdosis Schlaf zum diesjährigen Davos-Abenteuer. 15 Minuten später, bei Tommi, kommt der Busboden mit einer Überdosis Kaffee in Kontakt. Die meisten Teilnehmer freuen sich ob des unerwarteten morgendlichen Kaffeeduftes. Der ein oder andere Teilnehmer fragt sich aber auch, wie er denn seinen kaffeegetränkten Rucksack wieder trockenlegen kann. Naja, immerhin riechen die Rucksäcke nun richtig gut. Moni wundert sich hingegen über die 20-minütige Verspätung am Treffpunkt in der Nähe des Bodensees, versorgt uns aber trotzdem mit Geburtstagshörnchen. Aber so ganz ohne Kaffee geht’s bei Tommi um die Uhrzeit dann halt doch nicht. Und das Nachbrühen braucht nun mal so seine Zeit. 

In Davos erleben wir erst mal eine Überraschung. Tommi muss neben dem Kaffee noch eine gute Überdosis Elektrolyte zu sich genommen haben. Er ist nicht zu bremsen und spurt munter zur Rhiner Furgga, und das in einer noch nie dagewesenen Steilheit. Bei den anderen Teilnehmern verursacht das eine zunehmende Unterdosierung der Kraftreserven und eine Überdosis Laktat in den müden Beinen. Aber irgendwann stehen alle erschöpft auf der Furgga ... im Nebel. Nun erleben wir die nächste Überraschung ... Matthias hat sich ins Zeug gelegt und ordentlich gepustet, der Nebel reißt auf und wir lassen die genau richtige Dosis Schneeflocken auf der jungfräulichen Tiefschneeabfahrt ins Dischmatal fliegen. Auf dem anschließenden Talhatscher und dem endlosen Anstieg zur Grialetschhütte schwinden dann auch Tommis Kräfte merklich und die Teilnehmer schleichen in unterschiedlichem Tempo gen Hütte. Zum Abendessen sind dann aber wieder alle beisammen und füllen ihre leeren Energie- und Elektrolytspeicher.

Aufgrund der etwas angespannten Lawinenlage lassen wir am nächsten Tag nichts anbrennen und wiederholen in großen Teilen die Tour zum Piz Sasura, die wir letztes Jahr so genossen haben. Einem kurzen Aufstieg folgte ein bisschen Morgensport in Form einer unberührten Pulverschneeabfahrt und dann der Aufstieg zur Fuorcla Sasura. Wir nutzen die Gelegenheit um unsere Unterdosis Handy-Empfang zu überkommen und werfen einen intensiven Blick auf die weiteren Wettervorhersagen. Was wir sehen gibt uns wieder ein bisschen mehr Hoffnung, dass wir die nächsten zwei Tage auch noch im Schnee verbringen können und die Tour nicht, wie befürchtet, abbrechen müssen. Nun aber genug der Ablenkung, wir stürzen uns über die Wächte gen Engadin in den Pulver und jauchzen vor Abfahrtsfreuden. 15 Minuten später stapfen wir wieder Tommi hinterher, der dieses Mal eine supersanfte Spur in den unberührten Tiefschnee zaubert. Nach 30 Minuten Aufstiegsmeditation trennen sich unsere Wege; die Gruppenältesten steigen ins Joch und genießen die Sonne. Die Tiefschneesüchtigen sausen noch einmal gen Engadin. Schließlich bekommt man nicht alle Tage einen unverspurten Pulverhang im Sonnenschein serviert. Eine Stunde später treffen wir uns wieder und genießen gemeinsam das überragende Panorama vom Gipfel des Piz Sasura. Manch eine Gipfelaspirantin kann sich gar nicht mehr von diesem schönen Fleck trennen. Aber jeder Traum muss einmal enden … und vom nächsten Traum abgelöst werden. In unserem Fall einer unverspurten 1000 Höhenmeter Pulverschneeabfahrt über den Vadret da Sasura. Der ein oder andere denkt nach diesem flockensprühenden Vollgasvergnügen an eine Überdosis. Aber die Wahrheit ist, davon kann man nicht genug bekommen.

. Wir hingegen bekommen nach diesem höhenmeterschwangeren Tag beim Essen auch noch ausreichend Nachschlag und tauschen reichlich Abenteuergeschichten mit den lustigen Tischgenossen aus. Lustigerweise zeigt sich, dass Moni die junge Dame an unserem Tisch kennt; Anja ist Musikerin und Moni war vor kurzem auf einem ihrer Konzerte in Füssen. Die Nacht bringt uns viel Schlaf und der Morgen den erwarteten Wind und schlechte Sicht. Wir entscheiden uns für die sichere Variante und schleichen vorsichtig bei schlechter Sicht und unangenehmem Wind über den Scalettapass zur Keschhütte. Diese hat dieses Jahr wieder fließend Wasser und wir nutzen die viele verfügbare Nachmittagszeit, um uns wieder so richtig zu säubern. Es hat nämlich Schneefall eingesetzt und die etwas unklaren Vorhersagen lassen davon einiges erwarten.

Als wir uns am nächsten Morgen aus der Hütte gewühlt haben, erwartet uns eine wahre Überdosis Neuschnee. Zum Glück haben wir uns vor, während und nach dem Frühstück ordentlich Zeit gelassen. Und so können wir entspannt in der von einer anderen Gruppe angelegten Traumspur durch 50cm Neuschnee, in einer traumhaften wolkenverhangenen Winterlandschaft, gen Piz Kesch gleiten. Die Gipfelbesteigung muss aufgrund des vielen Neuschnees leider entfallen. Die Traumabfahrt zurück zur Hütte entpuppt sich bei diesen Schneemengen leider auch eher als zähes Geschiebe. Aber schön war es trotzdem. Während des Spurens beim Aufstieg zum Sertigpass sehen wir bereits die Wolken und den Wind aus dem Süden anrücken. Auf dem Pass ist es kalt, es stürmt und die Sicht ist nicht mehr besonders. Wir entscheiden uns trotzdem weiter nach Davos abzufahren. Ganz vorsichtig tasten wir uns durch die mächtig verschneiten Hänge gen Davos voran und sind gottfroh als wir auf eine Aufstiegsspur treffen, die unseren weiteren Weg durch die Schneemassen signifikant erleichtert.

Bei Wähe und Kaffee im Waalsehuus in Sertig lassen wir diesen erlebnisreichen Tag nachwirken, um dann auf der Heimfahrt dem Kaffeegeruch im Bus noch reichlich Pizzaduft hinzuzufügen ...