Tag 1: Vom Glasmacherzentrum in das Urwaldgebiet des Falkensteins
Die Anreise führte von Donauwörth nach Zwiesel, einem historischen Zentrum der Glasherstellung im Bayerischen Wald. Vor dem Start der Wanderung trafen wir im Zwiesel Glas Werksverkauf einen der letzten Glaskünstler der Region. Er erzählte uns alle Details über die Herstellung der Schnupftabakfläschchen und gab uns interessante Einblicke in deren Geschichte sowie die detaillierte, handwerkliche und farbenfrohe Fertigung. Dort haben wir auch gehört über den Durandl, der Glashüttengeist, der meist gutmütig ist, aber auch gerne Streiche ausholt.
Nach einer Kaffeepause ins Werksverkauf begann die eigentliche Tour. Der Ausgangspunkt lag im kleinen Ort Kreuzstraßl am Fuße des Großen Falkensteins. Der Falkenstein zählt neben Arber, Rachel und Lusen zu den markanten Gipfeln der Region. Das Ziel der Tagesetappe war der Gipfel und das Schutzhaus Falkenstein für die Übernachtung.
Die Route verlief durch das geschützte Urwaldgebiet Höllbachgespreng. Das Mittelgebirge aus Gneis und Granit ist von felsigen Pfaden und großen Steinformationen geprägt. Der vielfältige Mischwald aus Fichten, Buchen, Ahorn, Tannen, Eschen, Eiben, Birken usw., wird hier gänzlich sich selbst überlassen. Zwar hat der Borkenkäfer insbesondere unter den Fichten spürbar gewirkt, doch darf er im Nationalpark ungehindert seinen Lauf nehmen. Das verbleibende Totholz dient als wertvoller Nährstoffspeicher und fördert die Biodiversität. Im gesamten Wald herrschte eine eindrucksvolle Stille.
Am Höllbachgespreng begann der steilere Aufstieg entlang die Höllbachfälle Richtung Falkenstein. Der Anstieg war gut zu bewältigen, erforderte aber auf den feuchten und schattigen Abschnitten Aufmerksamkeit. Am Ende der Anstieg, nahe dem Gipfel wich der dichte Wald einer nebeligen, grasbewachsenen Hochfläche mit lichterem Baumbestand. Entwurzelte Bäume zeugten davon, dass starke Stürme über die kahlen Kuppen des Bayerischen Waldes fegen können.
Nach Erreichen des Gipfels des Großen Falkensteins (1.315 m) direkt am Schutzhaus, zog der Nebel in der Dämmerung ab, und gab den Blick frei auf einen stimmungsvollen Sonnenuntergang beim Gipfelkreuz. Wie bei einem Indian Summer.
Das moderne, saubere und komfortable Schutzhaus bot den perfekten Ort, um sich nach dem Aufstieg zu erholen. Nach einer deftigen Mahlzeit wurde in geselliger Runde die Route für den nächsten Tag besprochen und sich in entspannter Atmosphäre ausgetauscht.