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Kaiserwetter in der Königsspur

Durchquerung der Ammergauer Alpen. Von Gisela Kirchner

11.07.2026

Strahlend blauer Himmer und nicht das kleinste Gewitter vorhergesagt – so sind wir im Hochsommer gerne unterwegs. Bei solch einem Bilderbuchwetter machten wir uns Mitte Juli zu sechst vom Wanderparkplatz bei Linderhof auf, um über Gipfel und Grate die Ammergauer Alpen zu durchqueren.

Ein erster, noch schattiger Aufstieg durch Bergwald brachte uns zu den Brunnenkopfhäusern, von wo aus wir nach einer kurzen Pause noch einen Abstecher auf den Brunnenkopf (1718m) machten, bevor wir Richtung Klammspitze (1924m) weiterstiegen. Auf dem Weg zum Gipfel gab es die ersten kleinen Kletterstellen zu überwinden, die alle problemlos meisterten. Lohn für die Mühen war eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Bergketten und ins Alpenvorland. Nachdem auch der letzte der zu sehenden Seen dank Karte und App bestimmt war, und uns die fliegenden Ameisen doch arg auf die Pelle rückten, ging es über den Klammspitzgrat weiter Richtung Feigenkopf (1866m). Von den tollen Ausblicken durften wir uns hier nicht ablenken lassen, denn das doch steile Gelände und die eine oder andere exponierte, aber gesicherte Kletterstelle erforderte unsere volle Aufmerksamkeit. Schließlich erreichten wir den grasigen Gipfel, der selbst zwar unspektakulär ist, dafür wieder einen umso spektakuläreren Rundumblick bot. Vom Feigenkopf stiegen wir nach einer kurzen Rast zur (leider nicht bewirtschafteten) Hirschwanghütte ab. Nach kurzem Zaudern, ob wir angesichts der fortgeschrittenen Zeit noch den Grubenkopf (1839m) mitnehmen sollten oder nicht, gaben uns drei Damen auf der Hütte den Anstoß zu einem weiteren Gipfelaufstieg – O-Ton: „Des isch nur a Viertelstund‘!“ Zwar hat es etwas länger gedauert, aber wir gaben auf der Kenzenhütte - unserem Tagesziel - Bescheid, dass wir etwas später zum Abendessen kommen würden. Das konnten wir dank des lauen Sommerabends auf der Hüttenterrasse genießen. Nach einem Spieleabend in der Hütte und dem Arrangement mit den Bettwanzen-Präventionsmaßnahmen – Rucksack im Schuhraum oder Gang lassen, Schlafsachen werden in der Mikrowelle erhitzt, wenn man von anderen Hütten kommt – gingen wir kurz nach der Hüttenruhe ins Lager. 

Am Sonntag stand die nächste Überschreitung an. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf Richtung Hochplatte. Hier waren deutlich mehr Leute unterwegs als tags zuvor. Kein Wunder, die Hochplatte (2079m) ist ein schöner, aussichtsreicher Gipfel – bei jugendlichen Bergsteigern haben wir mitgehört, dass man dort gut „pics taken“ kann – und die Überschreitung ist sicher eine der spannendsten Touren, die man in den Ammergauer Alpen unternehmen kann. Die luftigsten Passagen im Abstieg vom Gipfel zum Fensterl sind seilversichert, und mit Konzentration und Trittsicherheit konnten wir die Gratwanderung gut bewältigen. Trotz des relativ großen Andrangs haben wir übrigens im Aufstieg Gämsen und im Abstieg zum Fensterl Steinböcke gesehen. Vom Fensterl aus ging es dann weniger felsig auf die Krähe (2010m), wo wir eine weitere aussichtsreiche Gipfelrast einlegten und dann weiter Richtung Gabelschrofensattel abstiegen. Jetzt ging es nur noch bergab, doch auch der Abstieg kann bei permanenter Sonneneinstrahlung schweißtreibend sein. Wir freuten uns schon auf eine Erfrischung auf der Jägerhütte – doch die Alm ist leider nicht bewirtschaftet. Also teilten wir uns die Getränkereserven ein und stiegen weiter über den Schützensteig ab. Jana und Simone schalteten im Abstieg nach einem Blick auf die Uhr den Turbo ein, um den Bus an der Ammerwaldstraße zurück zum Parkplatz Linderhof zu erwischen, um wiederum von dort den Kleinbus zur Abstiegsstelle zu überführen. Als der Rest der Gruppe an der Bushaltestelle ankam und sich am Kiosk die langersehnte Erfrischung gönnte, waren die beiden schon wieder da – per Anhalter waren sie ganz geschwind nach Linderhof gekommen. Trotzdem reichte die Zeit nicht mehr für ein Bad im Plansee, sondern nur noch für einen kleinen Snack, bevor es auf den Heimweg ging.

Ein rundum erlebnisreiches und gelungenes Bergwochenende, vielen Dank, Jana!

Einen Nachtrag muss ich leider hinzufügen: Trotz der Vorsichtsmaßnahmen auf der Hütte haben zwei aus unserer Gruppe Bettwanzenbisse erlitten. Das ist kein Hygieneproblem der Hütte, sondern die kleinen Biester werden von uns Wanderern eingeschleppt. Deshalb kann ich nach anderthalb Wochen juckenden Bissen am Arm nur raten: Macht bitte mit bei der Bettwanzenprävention. Nur so haben wir eine Chance, die Plagegeister einzudämmen.